Melbourne oder: shit, I’m not a hipster

Melbourne oder: shit, I’m not a hipster

Melbourne lag nicht auf meiner persönlichen Australien-Reise-Landkarte, es klang für mich unwichtig und ignorierbar.
Nur traf ich dann unterwegs immer wieder Leute, die bei Melbourne schwärmerisch die Augen verdrehten, die Stadt sogar Sydney vorzogen (scheinbar auch so ein ewiger Wettstreit) und allerlei Kurioses zu berichten hatten – Hipster City, Foodie Paradies, überall Kunst und Kultur. Hörte sich ziemlich gut an und nachdem der ca. zehnte Mensch mir riet unbedingt nach Melbourne zu fahren, malte ich die Landkarte neu und machte mich auf den Weg.

 

Nun bin ich eine Woche hier und weiß nicht so recht was ich sagen soll: Melbourne ist für mich so gar nicht Australien.

 

Tatsächlich könnte ich genauso gut durch London oder Amsterdam ziehen, es fühlt sich alles hier unglaublich europäisch an. Außerdem ist es dreckig! Während in Brisbane alles glänzte, sowohl Böden wie auch Bewohner, ist Melbourne an manchen Stellen irgendwie wie ein alter Rockstar: abgeratzt, verlebt und überall in Zigarettenqualm eingehüllt. Aber wie eben jeder gute Rockstar macht das hier natürlich den Charme der Stadt aus: Graffitis, Live Musik und jede Menge verrückte Leute. Das alles zwischen stylishen Hochhäusern und polierten Fassaden des CBD. Kontrast eben, Melbourne eben. Ich schlendere durchs mega Hipsterviertel Fitzroy voller Vintage und Tattoo Läden, eine trendy Bar neben der nächsten, bunte Häuserwände, bunte Menschen.

Und dann gibt es noch St. Kilda, mein Fluchtpunkt, wenn es mir wieder zu laut und zu viel wird. Dort kann man in aller Ruhe am Meer sitzen, im Luna Park Achterbahn fahren oder zu viel Eis essen. Ich hab alles davon ausprobiert, empfehlenswert!

Ansonsten ist das hier einfach Großstadt: es gibt viele Läden, schöne Gründerzeithäuser, einen botanischen Garten, ein tolles Kunstzentrum, einen Fluß und jede Menge Menschen. Ich habe in Melbourne ausgezeichnete Pizza gegessen und göttlichen Kaffee getrunken (darin sind die hier Weltmeister), in Hinterhof Bars Bands zugehört und bin mit der Straßenbahn gefahren, die in der Innenstand übrigens kostenlos ist.

Ich habe von hier tolle Ausflüge unternommen zu Philipp Island mit den süßen Pinguinen und zur Mornington Peninsula. Außerdem war es ein guter Startpunkt für meinen Great Ocean Road-Trip.

Alles in allem: ja, man sollte sich Melbourne ansehen! Vielleicht nicht unbedingt wegen Melbourne, sondern dem Drumherum. Ich kann mich dem allgemeinen Hype nicht so wirklich anschließen. Ich mag Kunst, ich finde die Graffitis toll und Live Musik noch mehr. Aber letztlich bleibt ein ranziger Hinterhof ein ranziger Hinterhof. Wenn ich Leute hier barfuß laufen sehe, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich bewundere die Outfits der ganzen hippen Girls, aber abgeblätterten Nagellack und verfilzte Haare finde ich einfach voll daneben.

Ich möchte hier nicht leben, das sind nicht meine Vibes. Da kann man wohl nur sagen: shit, I’m not a hipster 😉

 

 

  • Where to go: Great Ocean Road, Monlit Sanctuary, Philipp Island, Mornington Island, Eureka Tower, Botanic Gardens Melbourne

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