Grand Canyon

Grand Canyon

Laut Geologen ist der Grand Canyon 6 Millionen Jahre alt. Ich kann mit dieser Zahl nichts anfangen und frage mich, was so etwas  über die Dauer der eigenen Existenz aussagt.
Die nächsten zwei Stunden werde ich jedenfalls in einem Helikopter verbringen. Vom Respekt eng in den Sitz gepresst, denke ich an Top Gun und hoffe meinen Rucksack nicht gegen das Spucktütchen eintauschen zu müssen.

Verlässt man das glitzernde Las Vegas fliegt man zuerst über die Wüste, ebenfalls uralt, bis zu den Stellen, die der Mensch nach seinen Vorstellungen geformt hat. Wo ein gigantischer Hover Staudamm völlig unwirklich zwischen zwei Felsen steckt, nicht vorstellbar, welche Wassermassen dort zurückgehalten werden. Und plötzlich schimmert zwischen all den Varianten von rotem und braunem Gestein blau-türkis der Lake Mead, so verführerisch, dass man am liebsten direkt aus dem Helikopter hineinspringen würde in das gerade schönste Wasser der Welt.
Zwischendurch tauchen ein, zwei kleine Siedlungen auf und eine völlig einsame Straße schlängelt sich durch die Berge. Für mich völlig unvorstellbar, dass Menschen zum einen auf die Idee kommen sich in dieser Einöde niederzulassen und zum anderen eine 3-stündige Autofahrt von Vegas zum Canyon zu unternehmen, für einen Weg wohlbemerkt.
Während ich all diesen Gedanken nachhänge und über die ewige Weite dieser kargen Landschaft staune, scheint es plötzlich als würde der Hubschrauber nach vorne kippen. Als würde man über den Tellerrand der altbekannten Suppe fallen.

Und dann ist er da: der Grand Canyon, wie aus dem nichts fängt er plötzlich an, durchbrochen vom Colorado River, der sich mit dem ewigen blau vom Lake Mead vereint.
Der Canyon sieht genauso aus wie auf allen Reiseführer und Instagram Fotos, die ich jemals gesehen habe, und doch ist der Anblick gänzlich neu und atemberaubend. Es ist schwer in Worte zu fassen, welche Welt sich einem von da oben eröffnet. Und im ersten Moment will man auch nicht fotografieren, erst recht nicht reden. Es ist ergreifend und trifft einen ins Herz so viel Ewigkeit zu sehen, während man selbst nur wie ein kleines Sandkörnchen ist, das mit dem Wind an den Felsen vorbei geweht wird.

Ich hätte ewig weiterfliegen und später ewig auf dem Felsen sitzen können. Es war die schönste Ruhe, die ich je gehört habe. So ein Augenblick lehrt einen Respekt vor diesem Planeten, der so schön und vielfältig ist und doch so oft zu kurz kommt, weil man mit Alltag und Steuererklärungen beschäftigt ist.
Wir machen einen Zwischenstopp auf einem Felsenplateau, schweigen, fotografieren, ich laufe versehentlich gegen einen Kaktus, weil Augen zum Himmel, anstatt zum Boden. Überhaupt möchte man hier gerne abheben als könnte die Weite der Landschaft einem Flügel verleihen.

Und dann vergeht alles viel zu schnell. Der Rückflug, das erneute Staunen und die Rückkehr ins genau gegenteilige Las Vegas. Der Strip erscheint einem grotesk und am Tag irgendwie grausam und scharfkantig mit dem ganzen Metall und Glas. Dagegen wirkten die Felsen des Canyon fast weich und vor allem echt.

Auch Stunden später fühle ich mich im Innen wie im Außen noch wie durchgeschüttelt von diesem Erlebnis. Man mag sich bei den Kosten eines Helikopter Rundfluges vielleicht im ersten Moment erschrecken, aber tatsächlich ist es ein kleiner Preis für einen kurzen Blick in die Ewigkeit und ein paar Augenblicke, die man ein ganzes Leben mit sich tragen kann.

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